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Soziale Abwartschaft


Das Sozialmedizinische Zentrum Oberwallis (SMZO) hat nicht nur seinen Leuker Standort in der «Brückenmatte» aufgeschlagen. Dieter Müller, Bereichleiter Soziales in der SMZO-Geschäftsleitung, war bei der Entwicklung des Siedlungsprojekts von Anfang an massgeblich beteiligt und bei der Erarbeitung des sozialen Betriebskonzepts federführend. Er ist auch für dessen Umsetzung mitverantwortlich, und ihm obliegt auch die Teilführung des Siedlungsabwarts. Denn dieser übernimmt im Rahmen von 30 Stellenprozenten soziale Aufgaben. Die Lohnkosten dafür trägt die Brückenmatte AG während der ganzen Betriebszeit. Für die Ausführung der technischen Arbeiten (60 Stellenprozente) wird der Abwart durch die für den Verkauf/Vermietung der Wohnungen zuständige Immobilienfirma entschädigt. Sie ist in diesem Bereich auch für die Führung des Abwarts verantwortlich.


Die Abwartsstelle wurde ausgeschrieben. Als geeignetster Kandidat ging bei der mehrrundigen Evaluation Ismael Kuonen hervor. Er wohnt mit seiner Frau in Leuk und somit nur fünf Autominuten von der «Brückenmatte» entfernt. Seine wichtigsten beruflichen Stationen: Besuch der landwirtschaftlichen Schule, Arbeit auf dem Bau, nach entsprechender Ausbildung tätig im Rettungsdienst in Saas Fee und Montana, anschliessend rund 20 Jahre vollamtlicher Betriebssanitäter bei Lonza. Kuonen bringt somit reichlich technisches Know-how mit, verfügt zudem über notfallmedizinische Kenntnisse und ist – auch durch sein Herumkommen in aller Welt – interessiert am Umgang mit anderen Menschen.


Ismael Kuonen trat seine Stelle bereits im April 2014 an. Zu diesem Zeitpunkt waren die vier Gebäude bezugsbereit, aufgrund der Bauverzögerungen die Umgebungsgestaltung und die Cafeteria jedoch noch nicht fertig und dadurch die Vermietung/der Verkauf der Wohnungen schwierig. Kuonens Anwesenheit in der Siedlung war aber auch in den Monaten, in welchen der Betrieb noch nicht wie geplant zum Laufen kommen konnte, enorm wichtig. Er erstellte im Aussenraum Installationen wie die Abzäunung der Tiefgarage, den Spielplatz und den Holzpavillon auf dem Siedlungsplatz. Auf der anderen Seite wirkte seine Präsenz ausgleichend und integrativ. Wenn die bereits eingezogenen Bewohner frustriert über die zunächst nur langsam voranschreitende Fertigstellung der Siedlungsanlage waren oder sie sonst irgendwo der Schuh drückte, bekam er das mit und konnte die Anliegen und Sorgen kanalisieren.


Die Bewohner haben die Möglichkeit, Ismael Kuonen als erste Anlaufstelle zu kontaktieren, auch bei kleineren Notfällen: etwa, wenn jemand aus dem Bett fällt. Kann er selber nicht helfen, alarmiert er das in der Siedlung domizilierte SMZ, das nachts über einen Pikettdienst verfügt. Bemerkt er, dass jemand gesundheitliche Probleme, Mühe bei der Wohnungsreinigung oder bei der eigenen Verpflegung hat, meldet er das ebenfalls dem SMZO (Spitex), das in diesen Bereichen Dienstleistungen anbietet resp. organisiert.


Nicht zuletzt gehört zur sozialen Abwartschaft die Betreuung der privaten und halböffentlichen Gemeinschaftsräume. Auf die Eröffnung der Cafeteria hin hat Ismael Kuonen sogar den Wirtekurs absolviert. Inzwischen ist man aber übereingekommen, dass Administratives nicht auch noch zu seinen Kernkompetenzen gehören muss. Korrespondenz und Buchhaltung der Cafeteria hat deshalb Dieter Müller vom SMZO übernommen. Kuonen besorgt den Einkauf, hilft bei Anlässen und hält den Raum in Schuss.

Ist eine soziale Abwartschaft für den Betrieb einer Mix-Siedlung wie der «Brückenmatte» somit ein Erfolgsmodell? Eine Umfrage unter der Bewohnerschaft lässt es vermuten, zeigt aber vor allem eines: Wie viel durch eine solche Doppelfunktion bewirkt werden kann, hängt massgeblich von der Person des Stelleninhabers oder der Stelleninhaberin ab.