doku brückenmatte

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Architektur

Für die Mehrgenerationensiedlung Brückenmatte schrieb die Burgerschaft Leuk 2009 einen privaten Architekturwettbewerb aus. Der erste Preis ging an Isabelle Ryhner Glenz und Morten Bilde aus Zürich, deren Entwurf die Jury insbesonders durch seine städtebauliche Qualität überzeugt hatte. Die vier winkelförmigen, versetzt angeordneten Gebäude, so die Begründung, würden das Quartier neu definieren und ein lebhaftes, lockeres Gesamtbild schaffen, in welchem auch die bereits bestehenden Nachbargebäude gut eingebunden seien. Es entstünde eine Gesamtanlage mit einer funktional und optisch gelungenen Verflechtung der Gebäude und der Aussenräume.

Bei der Realisierung der kleinen Überbauung wurden denn auch die im Siegerentwurf konzipierte Anordnung und die klaren Umrisse der vier kompakten, balkonfreien Wohnhäuser übernommen. Das ausführende Briger Architekturbüro E. & K. de Sepibus (heute de Sepibus Architektur) verlieh den Fassaden jedoch ein etwas anderes Gesicht durch die unregelmässige, das Gebäudevolumen betonende Gliederung der Fensteröffnungen. Diese wurden zudem weitaus grosszügiger umgesetzt als von Glenz/Bilde intendiert. Das Duo hatte kleine Fenster konzipiert und dadurch bewirken wollen, dass die Bewohner ihre Wohnungen vermehrt verlassen und sich draussen begegnen. Thomas Juon von de Sepibus Architektur hingegen ist der Meinung, dass ältere Menschen gerne am Fenster sitzen und hinausschauen. Deshalb sei es sinnvoll, ihnen auch einen entsprechenden Ausblick zu ermöglichen.

Der Vereinsamung in den eigenen vier Wänden – gerade bei Senioren keine Seltenheit – könnte architektonisch freilich auch der von Anfang an von der Bauherrschaft vorgegebene Verzicht auf Balkone entgegenwirken. Mit Ausnahme der Attikawohnungen (sie mussten aufgrund des Baureglements zurückversetzt werden, wodurch zwangsläufig Platz für Dachterrassen frei blieb) verfügen die Wohnungen über keinen privaten Aussenraum. Eine Lösung, die nicht zuletzt auch dem Klima Rechnung trägt: In Susten bläst oft starker Wind, auskragende Balkone sind dann kaum nutzbar.

Eine Art Balkon-Ersatz wurde zumindest bei den grösseren Wohnungen mit verglasten, innenliegenden und somit das kompakte Erscheinungsbild der Gebäude nicht durchbrechenden Loggien geschaffen. Die de Sepibus Architekten nahmen zudem eine Idee aus ihrem eigenen Wettbewerbsprojekt auf: Sie verbanden das Haupthaus via eine raumhoch verglaste Passerelle mit einem zweiten Wohngebäude. Auf diese Weise schufen sie einen umrahmten Platz, der inzwischen mit einem Brunnen, einem Spiel- und einem Sitzplatz sowie einem Holzpavillon möbliert ist.

In der «Brückenmatte» wurde auf den Bau von Balkonen verzichtet. Die 2 ½-Zimmer-Wohnungen verfügen auch über keine Glas-Loggien. Dafür stehen den Bewohnern und teils auch der Bevölkerung aus der Umgebung verschiedene innen und aussen liegende Begegnungsräume zur Verfügung. Die ausführenden Architekten Kurt de Sepibus und Thomas Juon erläutern ihre Überlegungen und die Hintergründe.

Bei der Projektierung von Mehrfamilienhäusern und Siedlungen liegen Loggien im Trend: Zugunsten einer freieren Fassadengestaltung und weil verdichtetes Bauen, vor allem aber auch die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum immer wichtiger werden. Aus diesem Grund sind Loggien oft als sogenannte Jahreszeitenzimmer konzipiert. Sie liegen im Wohnraum und sind von diesem durch eine raumhohe Verglasung abgetrennt. Isoliert sind aber nur ihre Fenster. Im Sommer können solche Loggien somit gegen aussen geöffnet und als vor Wind, Wetter und Blicken geschütztes Freiluftrefugium genutzt werden. Im Winter sind sie wie die restliche Wohnung beheizt und dienen als eine Art zusätzliches Zimmer.

Aufgrund der Kostenabwägungen im Hinblick auf die Mietzinse entschied man sich in der «Brückenmatte» ebenfalls für solche Jahreszeitenzimmer. Ganzjahresloggien mit raumhohen Fensterflügeln, Glasbrüstungen und innen liegenden Schiebetüren mit Isolierglas hätten das Budget gesprengt.

In einem ländlichen Umfeld wie Leuk-Susten stösst die nun realisierte, im urbanen Raum bereits recht gängige Lösung freilich auf Skepsis. Das könnte möglicherweise dazu beigetragen haben, dass es bislang schwierig war, Mieter für die grösseren Wohnungen mit Loggia zu finden. Als «Glaskästen» werden Letztere mitunter im Ort bezeichnet. Für andere sind sie ein klares Plus – unter ihnen Ernst Bürki. Er war für die Baugeologie der «Brückenmatte» zuständig gewesen. Und weil er die Siedlung und ihr Konzept überzeugend fand, zog er gleich selber ein.

Die Passerelle der «Brückenmatte» verknüpft die beiden zentralen Gebäude (Haupthaus mit Büros Sozialmedizinisches Zentrum Oberwallis (SMZO)/Pro Senectute, Cafeteria, Wohnungen sowie Wohngebäude mit Bewegungsraum). Sie soll aber nicht nur als geschützter Verbindungsweg genutzt werden, sondern dem Zusammensein der Bewohner dienen, wenn der Aufenthalt im Freien wetterbedingt nicht möglich ist. Verschiedene Sitzgruppen mit bequemen Sesseln, Stühlen und Tischen laden dazu ein, sich zu treffen, zu plaudern oder ein Buch zu lesen. Durch die raumhohe, öffenbare Verglasung steht die Passerelle ferner in Beziehung zum Platz der Siedlung, den sie zusammen mit den beiden zentralen Gebäuden umklammert.

Die «Brückenmatte» wurde nach SIA 500 hindernisfrei/behindertengerecht erstellt. Da es sich um eine Mehrgenerationensiedlung mit einer entsprechend heterogen zusammengesetzten Bewohnerschaft handelt, liess sich dabei aber nicht allen Bedürfnissen gleich gerecht werden. Als Knackpunkt erwies sich beispielsweise die Ausstattung der Nasszellen.

Bau in Kürze

Architekturbüro de Sepibus Architektur, Brig
Bau 55 Familien- u. Singlewohnungen
2 Begegnungsräume
1 Cafeteria (50 Pl.) mit Passerelle
Speziell Balkonfreies Bauen für mehr soziale Kontakte
Finanzierung Die gesamten Baukosten (inkl. altersgerechtem Ausbau und Umgebung) betrugen rund 19 Mio. Franken.